Ein Plakat der Bauhaus Women's Night (Quelle: Rike Runge)

Mein erstes Mal Bauhaus – „Women’s Night“

Seit einiger Zeit veranstaltet die Baumarktkette Bauhaus die “Women’s Night”. Leo, Laura und ich, haben sie getestet.

17.04.15, Bauhaus, Berlin-Wedding

19:15 Uhr – Wir wissen nicht was uns erwartet. Die Infos: Es gibt einen Sektempfang, zwei Workshops nach Wahl, Snacks und Cocktails. Ich packe etwas Bargeld ein.

19:20 Uhr – Wir trinken zum Einstieg Martini. Es gibt nur noch Bianco. Macht nichts. Das Studentenportmonee muss geschont werden.

19:40 Uhr – Gackern setzt ein. Aufbruch. Mein Freund ist erleichtert.

19:55 Uhr – Wir erreichen den Baumarkt. Leise kichernde Frauen Ende 40 streifen durch die Gänge. Wir folgen ihnen.

20:05 Uhr – Wir finden den  “VIP-Eingang”. Die Schlange ist endlos. Das Parkdeck gleicht einem Hühnerhof: eine gackert, zig gackern zurück.

20:10 Uhr – Der Tisch mit dem Sekt ist in Sicht. Wir warten uns in der Schlange Stück für Stück näher.

20:11 Uhr – Es gibt gratis Taschen mit gratis Zeug!

20:12 Uhr – Wir sind zwei Meter vom Sekttisch entfernt. Die letzte Tasche wird herausgegeben. Leo ist verzweifelt. Laura braucht doch so dringend einen Zollstock.

Geschenktüte zur Bauhaus Women's Night am 17.04.2015 im Bauhaus Berlin-Wedding (Quelle: Rike Runge)
20:30 Uhr – Nichts davon brauche ich. Ich freu’ mich riesig.

20:13 Uhr – Wir haben ein Sektglas ergattert.

20:17 Uhr – Entwarnung: Am Anmeldetisch sind noch Taschen.

20:24 Uhr – Das Glas ist leer. Wir stehen noch vor dem Tisch – Sekt-Count: 2.

20:30 Uhr – Wir dringen zur Anmeldung durch. Nichts aus der Geschenketasche brauche ich. Ich freu’ mich riesig.

20:31 Uhr – Endlich im Baumarkt – auf Tischen stehen Kekse und Knabberkram. Die Bar bietet Sekt, Limo und Saft. Immer noch alles kostenlos – Sekt-Count: 3.

Merchandise auf der Bauhaus Women's Night am 17.04.2015 in Berlin-Wedding (Quelle: Rike Runge)
20:42 Uhr – “Schneller als Mann denkt” und “Hammerfrauen”. Bauhaus, du emanzipierst uns so.

20:40 Uhr – Es gibt Organisationsprobleme. Mitarbeiter laufen panisch hin und her. Das Bild des Hühnerhofs wird deutlicher.

20:41 Uhr – Leo weiß: “Die füllen uns ab, damit wir ein schlechtes Gewissen bekommen und sinnlosen Kram kaufen.”

20:45 Uhr – Nervöse Bauhaus-Mitarbeiter mit Schildern bringen sich in Stellung. Je 40-60 Frauen folgen bitte einem Mitarbeiter zu ihrem Kurs. Respekt – 250 Hühner lärmen heute hier – Sekt-Count: 4.

20:46 Uhr – Es regnet. Wir gehen zum Pflanzenschutz-Workshop.

21:00 Uhr – Wir nehmen auf Bierbänken Platz und schauen gespannt auf eine Leinwand. Wo sind die Pflanzen?

Eine Schaufensterpuppe mit aufgemaltem Gesicht im Bauhaus, Berlin-Wedding (Quelle: Rike Runge)
21:01 Uhr Wir haben Gesellschaft.

21:05 Uhr – Unser Workshop ist ein Vortrag. Wir sind verzweifelt. Der Sekt ist ausgegangen.

21:10 Uhr – Auf einer  Nachbar-Bank unterbricht eine ältere Frau den Vortrag. In Pflanzenschutzmitteln sei Glysophat. Das sei krebserregend. Ob der Vortragende das wisse. Weiß er. Er zeigt uns diverse Siegel auf seinen Mitteln. Keines sagt etwas darüber, ob sie krebserregend sind oder nicht. Aber es gibt sie.

21:15 Uhr  – Wir sind auf einer Kaffeefahrt. Ist die Pflanze braun? Mit Bauhaus-Pflanzenschutzmittel besprühen. Ist die Pflanze schlaff? Mit Bauhaus-Pflanzenschutzmittel besprühen. Sieht die Pflanze kerngesund aus? Mit Bauhaus-Pflanzenschutzmittel besprühen. Präventiv.

21:16 Uhr – Die Krebs-Frau weist darauf hin, dass man Pflanzen auch mit Eierschalen und Kaffeesatz düngen könne. Beides kann man nicht im Bauhaus kaufen.

21:20 Uhr – Mehr Sekt! Auf Tabletts und in Kisten kommt Nachschub. Wir sind wieder hochkonzentriert – Sekt-Count: 5.

21:25 Uhr – Eine Zuhörerin stellt höflich eine Frage. Der Vortragende antwortet. Das habe er gerade erklärt. Aber das sei schon in Ordnung. Er habe es nur wirklich gerade eben erst erklärt. Aber das mache ja nichts. Nein, das mache wirklich nichts. Dann erkläre er es eben nochmal. Das sei schon okay.

Ich bin völlig fertig im Bauhaus-Wedding (Quelle: Rike Runge)
21:36 Uhr –  Ich bin völlig fertig.

21:35 Uhr – Der Vortrag ist vorbei.

21:37 Uhr – Auf dem Weg zu den Snacks kommen wir an anderen Kursen vorbei. Die Fliesen-Leute dürfen fliesen und die Wand-Leute können Wände beschmieren. Wir haben den falschen Workshop gewählt.

21:42 Uhr – Der “Snack” ist ein Büffet mit vier Gängen! Kostenlos! Wir sind aus dem Häuschen  – und die ersten am Büffet. Die anderen Kurse laufen noch. Wir haben den richtigen Workshop gewählt.

22:10 Uhr  – Sekt-Count: 6 – Wir sichten die ersten Cocktails und suchen die Bar.

22:12 Uhr – Die Bar ist draußen. Cocktails kostenlos! Auswahl: 43er mit Milch, Hugo, Sex On The Beach, Lumumba, Campari-O.

Essen vom Büffet auf der Bauhaus Women's Night am 17.04.2015 (Quelle: Rike Runge)
21:00 Uhr – Antipasti, Salat, Currywurst. Suppe gab es auch.

22:15 Uhr – Der Hugo ist untrinkbar süß. Ich teste einen Sex On The Beach. Der geht gut – sehr gut sogar.

22:20 Uhr – Vorsichtiges Fragen in die Runde, ob wir wirklich noch zum Pflastersteine verlegen gehen wollen – Die Entscheidung wird vertagt. So vollgefressen und betrunken kann man nichts entscheiden.

22:30 Uhr – Die zweite Workshop-Runde Kurse beginnt. Wir stehen immer noch draußen unter einem Hitzepilz. Wir sind nicht die einzigen.

22:35 Uhr – Eine Mitarbeiterin mit einer Hammerfrauen-Latzhose kommt gehetzt zu uns. “Wolltet ihr jetzt noch Latzhosen haben?” Nein.

22:55 Uhr – Hier kann man so herrlich schnacken und Leute beobachten und die Cocktails schmecken so wunderbar kostenlos.

Cocktailgläser auf der Bauhaus Women's Night am 17.04.2015 in Berlin-Wedding (Quelle: Rike Runge)
23:05 Uhr „Ich brauche die.“

23:05 Uhr – Eine alte Dame kommt an unseren Stehtisch. Sie steckt unsere leeren Cocktailgläser in ihre Bauhaus-Tasche. “Ich brauche die.” Von Weitem beobachten wir, wie ein junger Mitarbeiter peinlich berührt sechs Gläser wieder aus ihrer Tasche aussortiert.

23:06 Uhr – Die Dame darf nun gehen. Sie entscheidet sich dem jungen Mann zu erklären, warum sie eigentlich die Gläser hätte einstecken dürfen.

23:10 Uhr – Zeit zu gehen. Auf dem Parkplatz stehen die Pflasterstein-Leute im Scheinwerferlicht um ein Erdloch, wie um ein rituelles Feuer – irgendwie wie Weihnachten.

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2 Gedanken zu „Mein erstes Mal Bauhaus – „Women’s Night““

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